Prof. Dr. Klaus Hurrelmann beim VDP-Bildungsforum in der WIHOGA Dortmund

Generation Z. Hört sich irgendwie nach Endzeitstimmung an. Hat aber mit Apokalypse oder Armageddon nichts zu tun. Sondern ist einfach die übliche Bezeichnung für Menschen, die nach dem Jahr 2000 geboren wurden. Also die Kinder und Jugendlichen, die jetzt in der Schule sind.

Die Generation Z stand daher im Zentrum des Bildungsforums, zu dem der VDP NRW (VDP Verband Deutscher Privatschulen NRW e. V.) Anfang Mai in die WIHOGA Dortmund eingeladen hatte. Über 50 Pädagogen waren gekommen, um den Vortrag des renommierten Bildungsforschers Prof. Dr. Klaus Hurrelmann zu verfolgen und seine Thesen zu diskutieren. Der Wissenschaftler arbeitet nach langjähriger Tätigkeit an der Universität Bielefeld seit 2009 als Professor of Public Health and Education an der Hertie School of Governance in Berlin.

Welche pädagogischen Konzepte?
Smartphone und Internet. Fridays for Future. Steigende Abiturientenquote und Gap Year. Helikoptereltern und Patchwork-Familien. Multitasking, aber wenig Ausdauer und Konzentration. Freie Suche nach sexueller Identität. Wie wirkt sich die Lebenssituation der Generation Z auf pädagogische Konzepte aus? Kurz gesagt: Massiv! Beim Bildungsforum in der WIHOGA Dortmund wurde Prof. Dr. Klaus Hurrelmann deutlich. Nichts weniger als „eine neue Generation von Unterricht und Schule“, forderte der Bildungsforscher und meint: Der Auftrag von Schule müsse verbreitert werden. Nicht mehr die Vermittlung von Fachwissen solle im Vordergrund stehen. Schule müsse im wahrsten Sinne des Wortes Bildungsstätte sein, die Schülerinnen und Schüler in allen Bereichen unterstützt, auch beim Aufbau sozialer Kontakte und Bindungen. Besonders wichtig: „Die Inhalte schulischer Bildung müssen sich an den Schülerinnen und Schülern ausrichten“, betonte Professor Hurrelmann.

Private Schulen als „Sauerteig“ für das gesamte Schulsystem
Echte Ganztagesschulen sieht der Wissenschaftler dabei gut aufgestellt. Aber auch private Schulen, die er in der WIHOGA Dortmund als „Sauerteig“ für das gesamte Schulsystem bezeichnete. „Als Privatschulen sollten Sie jeden Spielraum ausnutzen“, rief er seinem Publikum - allesamt Vertreter von privaten Schulen aus NRW - beim Bildungsforum zu. Als Möglichkeiten nannte Prof. Dr. Klaus Hurrelmann unter anderen eine „atmende Struktur“, die den Arbeits- mit dem Biorhythmus verbinden könnte, Werkstätten und Labors oder Schülerfirmen. Auch die Lehrerrolle müsse sich entsprechend ändern: „Sie sind nicht mehr der Boss und Allwissende, sondern eher Moderator, Ratgeber und Coach.“ Die Schülerinnen und Schüler sollten als „Entrepreneure“ angesehen werden, als selbständige Unternehmer, die als Partner und Mitproduzenten ihre Bildungsprozesse gestalten und selbstbestimmt den eigenen Weg finden sollen.

WIHOGA Dortmund hat sich auf den Weg gemacht
„Bei uns ist diese Botschaft bereits im Kollegium angekommen“, betonte Harald Becker, Leiter der WIHOGA Dortmund, in der anschließenden Diskussion. „Das engagierte Lehrerteam hat sich auf den Weg gemacht.“ Man versuche verstärkt, die Schülerinnen, Schüler und Studierenden zu beteiligen. Die bisherigen Erfahrungen sind sowohl auf Seiten der Lehrer als auch der Schüler sehr positiv. So ist die Umsetzung der Digitalisierung schon so weit fortgeschritten (iPad-Klassen, digitales Klassenbuch, Office 365 inkl. OneNote und TEAMS als Kommunikations- und Lernplattform für die gesamte Schulgemeinschaft), dass die WIHOGA für öffentliche wie private Schulen inzwischen intensive Schulungen zu dieser Thematik anbietet und jederzeit offen ist für einen Austausch mit anderen Bildungseinrichtungen. Es werden zurzeit offenere und zeitgemäße Lern- und Unterrichtsorganisationsformen geplant und getestet, z.B. nach dem SOL-Konzept (Selbstorganisiertes Lernen), wobei zahlreiche Hospitationen der WIHOGA-Lehrkräfte in anderen Berufskollegs und der dortige Austausch wesentliche Grundlage sind. Es wird an der WIHOGA Dortmund eine Abkehr vom Lernen im Gleichschritt und gleichzeitig eine stärkere Betonung des Lernens mit- und voneinander geben. „Dies wird bei den Schülerinnen, Schülern und Studierenden zu hoher Selbstverantwortung und Problemlösefähigkeiten führen, die für zukünftige Herausforderungen so wichtig sind.“, ist sich Harald Becker sicher.

Vorstandswahlen beim VDP Verband Deutscher Privatschulen NRW e. V.

  • Der VDP Verband Deutscher Privatschulen NRW e. V. (VDP NRW) vertritt als Berufsverband die Interessen von aktuell 220 Bildungseinrichtungen in freier Trägerschaft in NRW.
  • Bei der Mitgliederversammlung vor dem Bildungsforum wurde der bisherige Vorstand für weitere vier Jahre im Amt bestätigt.
  • WIHOGA-Schulleiter Harald Becker gehört seit 2015 diesem Gremium an und wurde ebenfalls wiedergewählt.